Dehnspiralen / Dehnstäbe

Mit den allseits bekannten Ohrlöchern kann man so einiges anstellen. Neben den klassischen Steckern, Hängern oder Creolen kann man sie aber auch noch modifizieren, indem man sie dehnt. Was du dafür alles brauchst und wie das am besten funktioniert, erfährst du hier?

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Um gedehnte Ohrlöcher tragen zu können, brauchst du zunächst einmal sogenannte Lobe Piercings, die zu diesem Zweck geweitet werden. Im Volksmund werden klassische Lobe Piercings auch einfach Ohrlöcher genannt. Je nachdem, wie viele gedehnte Ohrlöcher du am Ende haben willst, sollten entsprechend viele an der Zahl schon vorhanden sein. Ist das nicht der Fall, musst du sie dir selbstverständlich vorab stechen lassen. Es ist durchaus möglich, in dem Studio deiner Wahl zu erwähnen, dass du vorhast, die Ohrlöcher später zu denen. Daraufhin können die Lobe Piercings mit einer dickeren Nadel gestochen werden, um hier schon mal einen ersten Grundstein für das spätere Dehnen zu legen.

Frau mit gedehnten Ohren

Um eine gute Basis für die gedehnte Ohrlöcher zu haben, solltest du dir unbedingt ein Piercingstudio aussuchen, das einen guten Ruf hat und erfahrene Piercer*innen beschäftigt. Denn nur so kannst du dir sicher sein, dass keine Piercingpistole, sondern eine Nadel verwendet wird - so wie es auch sein sollte. Gesetz dem Fall, der Piercer oder die Piercerin versucht dich doch davon zu überzeugen, dass Piercingpistolen gar nicht so übel sind, nimm beide Beine in die Hände und lauf - das ist ganz ernst gemeint. Das ist nämlich ein deutliches Zeichen dafür, dass hier nicht auf bestes Werkzeug, sondern günstige Alternativen gesetzt wird. Das Stechen mit einer Nadel, beziehungsweise einer medizinischen Kanüle, ist deutlich schonender für das Gewebe, was man im darauffolgenden Heilungsprozess auch bemerkt. In der Regel sollte die Heilungsphase nicht mehr als 2 - 4 Wochen in Anspruch nehmen. In vielen Kosmetikstudios oder bei Juwelieren kommen diese Ohrlochpistolen leider auch heutzutage noch viel zu oft zum Einsatz. Es mag zwar billiger sein, als in einem Piercingstudio, aber du wirst gerade zu Beginn nicht so viel Freude daran haben. Bei dem geschossenen Ohrloch ist das Risiko einer Entzündung um ein vielfaches höher und es kann wesentlich öfter zu Vernarbungen des Gewebes kommen. Zusätzlich verursacht das Schießen deutlich mehr Schmerzen, als das Stechen, da mithilfe der Ohrlochpistole der vergleichsweise stumpfe Erstschmuck durch die Haut geschossen wird und so mehr Widerstand hat. Lass lieber die Hände, oder in diesem Fall die Ohren von Ohrlochpistolen!

Kann man alle Piercings dehnen?

Im Grunde genommen können so gut wie alle Piercings an den unterschiedlichsten Stellen des Körpers gedehnt werden - einige besser und andere schlechter. Vor allem Knorpelpiercings lassen sich ausgesprochen schwer dehnen. Das liegt an dem Knorpelgewebe selbst, was zum einen mit Blick auf die Struktur sehr fest ist und zum anderen sogenannte Wulstnarben beim Dehnen entstehen, wenn der Prozess nicht mit genügend Geduld und Ruhe vonstatten geht. Auch bei Surface Piercings, also Oberflächenpiercings, wie im Bauchnabel oder der Augenbraue, ist das Dehnen tendenziell problematisch. Das Piercing steht auch im ungedehnten Zustand schon unter einer gewissen Spannung und wird durch den Dehnprozess noch mehr verstärkt. Da diese Piercings ohnehin dazu neigen heraus zu wachsen, solltest du davon am besten die Finger lassen. Es ist zwar möglich, aber nicht gerade unkompliziert. Ohrlöcher hingegen sind nicht nur die beliebtesten Piercings zum Dehnen, sondern auch mit Abstand die dafür am besten geeigneten Varianten.

Was ist mit dem Dehnen genau gemeint?

Gedehnte Piercings sind solche, die in ihrem Durchmesser deutlich größer sind, als das standardmäßige Piercing. Das hat den Grund, das so Schmuck getragen werden kann, der deutlich breiter und insgesamt größer ist, als anderer. Der Vorgang des Dehnens wird auch gerne als Stretching bezeichnet. Wie weit und auch wie schnell du deine Lobe Piercings dehnen kannst, hängt von der Elastizität deines Bindegewebes ab. Hier sei aber angemerkt, dass weniger hier auf alle Fälle mehr ist. Das ist nicht nur auf die Zeit zwischen dem Dehnen, sondern auch auf die Größe der folgenden Dehninstrumente bezogen. Also immer schön langsam machen und geduldig bleiben.

Welche Größen gibt es?

In Deutschland wird die Größe, beziehungsweise der Durchmesser des Materials zum Dehnen in Millimetern angegeben. Doch auch die Maßeinheit Gauge wird in diesem Bereich gerne verwendet. Hier gilt die Regel, je größer die Gauge Zahl, desto kleiner ist der Durchmesser in Millimetern. Gauge werden in geraden Zahlen angegeben und je höher die Zahl ist, umso kleiner ist das Piercing. Zum Verständnis 8 Gauge ist die nächstgrößere Größe von 10 Gauge, 10G die nächstgrößere Größe von 8G und immer so weiter. Nach 000G werden die meisten Piercings dann in Millimetern oder Zentimetern angegeben.

Wie du richtig dehnst

Als erstes solltest du darauf achten, dass du saubere Hände hast. Am besten wäschst du dir deine Hände mit antibakterieller Seife, bevor du die Piercingstelle oder den Schmuck berührst. Trotzdem ist es ratsam, die Hände nach dem Waschen noch einmal zu desinfizieren, um das höchste Maß an Sauberkeit erreichen zu können. Auch deine Materialien, die du für das Dehnen benötigst, sollten desinfiziert sein und während des Prozesses auf einem sauberen Küchentuch in Reichweite liegen. Achte darauf, dass du in möglichst kleinen Schritten dehnst, um das Gewebe so wenig wie möglich zu reizen. Wenn du zu schnell und in zu großen Schritten dehnst, kann es vorkommen, dass das Gewebe einreißt und so starke Narbenbildung die Folge ist. Auch Entzündungen werden mit größeren Schritten im Dehnprozess wahrscheinlicher. Zusätzlich kann es sein, dass das umliegende Gewebe zunehmend instabil wird.

Um dafür zu sorgen, dass der Ablauf wortwörtlich wie geschmiert läuft, solltest du am besten wasserbasiertes Gleitgel verwenden. Vaseline, Penaten, Bepanthen, Zinksalbe oder ähnliches ist dafür nicht geeignet. Derartige Cremes sind viel zu zähflüssig und können den Prozess behindern oder dafür sorgen, dass sich an Produktresten Bakterien festsetzen, die eine Infektion auslösen. Damit die feinen Risse, die bei jedem Dehnen im Gewebe entstehen in Ruhe abheilen können, müssen Plugs aus Metall, am besten Titan verwendet werden. Solche aus Acryl, Silikon oder Holz kannst du auch noch nach dem Abheilen tragen.

Für das Dehnen selbst verwendet man in der Regel sogenannte Taper, also Dehnungsstifte, Dehnsicheln oder Dehnschnecken. Um dein Ohrloch zu weiten, führst du das entsprechende Dehnmaterial mit der Schmalen Seite durch den Stichkanal. Nimm dir dafür viel Zeit und versuche nicht mit Gewalt den Taper oder die Schnecke in kürzester Zeit durch das Loch zu schieben. In jedem Fall wirst du einen leichten Widerstand und eventuell ein leichtes Ziehen spüren. An dem Punkt solltest du kurze innehalten und dem Gewebe Zeit geben, sich an den Druck zu gewöhnen und sich zu entspannen.

Tipp: Wenn du vor dem Dehnen eine heiße Dusche nimmst, wird das Gewebe ein wenig elastischer und geschmeidiger, was dazu führt, dass das Dehnen leichter geht und das Gewebe weniger beschädigt wird.

Zwischen den Dehnschritten solltest du auf alle Fälle mindestens 4 Wochen warten, auch wenn du das Gefühl hast, dass es schon früher weitergehen kann - deine Haut braucht genügend Zeit, um vollständig abheilen zu können. Je Größer der Durchmesser deines Stichkanals wird, desto mehr Zeit solltest du zwischen den einzelnen Schritten verstreichen lassen.

Der passende Schmuck für gedehnte Ohrlöcher

Mittlerweile gibt es eine riesige Auswahl an passenden Schmuckstücken, die keine Wünsche offen lassen. In unserem Shop gibt es viele verschiedene Varianten, die du dir einmal genauer anschauen solltest. Tunnel beispielsweise sind Einsätze, durch die hindurch geschaut werden kann. So sieht man deutlich, wie groß das gedehnte Ohrloch ist. Auch Plugs sind eine beliebte Variante für gedehnte Ohrlöcher. Sie gibt es in den unterschiedlichsten Farben, Formen und Materialien. Man kann sie mit Steinchen, Gravuren, Mustern oder auch Glow-in-the-dark-Effekt kaufen.

Eine weitere Gefahr beim Dehnen sind die sogenannten Blowouts. Unter diesem Begriff versteht man, dass die Haut am Ohrläppchen sich durch zu schnelles und zu starkes Dehnen nach Außen verschiebt. Das heißt, dass der gedehnte Teil des Ohrläppchens dadurch zu stark hinausgeschoben wird und die Haut hinter dem Ohrläppchen hängt. Dies wirkt sich sowohl auf das Dehnen, als auch auf das Einsetzen des Schmucks aus. Blowouts können ohne Behandlung unverändert bleiben und benötigen in solch einem Fall einen kleinen chirurgischen Eingriff, damit sie entfernt und behoben werden können. Solltest du doch einen Blowout bekommen, weil du eventuell zu ungeduldig warst, gibt es einige Dinge, die du selber dagegen tun kannst. Nimm dein Piercing zunächst einmal raus und reinige es gründlich. Als nächstes solltest du die Größe deines Piercings verringern und die Piercingstelle regelmäßig mit Öl massieren. Zum Massieren kannst du verschiedene Produkte verwenden, wie Jojoba-, Teebaum-, Rizinus-, Vitamin- oder auch Kokosnussöl. Achte aber darauf, dass die Öle rein sind und keine Zusatzstoffe, wie Aromen enthalten, denn Aromen werden auf Basis von Pilzen hergestellt und diese wollen wir nicht in der Wunde, beziehungsweise im Stichkanal haben. Nach dem Massieren führst du das Piercing von hinten ein, damit der Stichkanal wieder an seinen richtigen Platz rutscht. Es kann einige Zeit dauern, bis sich der Blowout wieder zurückgebildet hat, aber falls es dir nicht gelingen sollte und du keine Veränderung oder Besserung dadurch feststellen kannst, solltest du einen Arzt aufsuchen.

Bildnachweis: Bild: Frau mit Ohr Tunnel © Janine Kofler - Facebook.com